Von Guido Engels aus Anlass des 100-Jährigen Bestehens der Schützenbruderschaft
In dem Buch „Wilh. Ewald; Die rheinischen Schützengesellschaften – Zeitschrift des Vereines für Denkmalpflege + Heimatschutz, Düsseldorf 26, 1933, Heft 1“ findet man auf Seite 104 unter der Auflistung der Schützenbruderschaften des Kreises Düren den Eintrag, daß eine St. Josef Schützenbruderschaft Disternich mit einer Mitgliederzahl von 35 bereits im Jahre 1767 erwähnt wurde. Wie lange diese Bruderschaft jedoch existierte, wer ihre Gründer waren, als auch ihr weiterer Werdegang liegt im Dunkel der Geschichte.
Erst im Jahre 1914 erfolgt die Gründung eines sogenannten Kriegervereins, welcher vermutlich u.a. auf die Initiative von Teilnehmern des französisch/deutschen Krieges von 1870/71 zurück ging. Darauf ließ zum einen die Umschrift der Fahne schließen, deren Weihe am 01. Juni 1914 erfolgte, welche lautete: „ GOTT WAR MIT UNS, IHM SEI DIE EHRE“, und zum anderen die stilisierte Darstellung eines fahnenschwenkenden Soldaten in der zeitgenössischen Uniform der preußischen Armee.
Dieser Verein wurde wie viele andere Vereine und Gesellschaften auch, von den Siegern des I. Weltkrieges verboten.
Die Basis der heutigen St. Josef Schützenbruderschaft Disternich wurde am 07. April 1925 geschaffen. Damals gründeten u.a. Karl Esser sen. Die bis zum heutigen Tage bestehende Bruderschaft. Zu den weiteren Gründungsmitgliedern zählten: Peter Esser sen., Friedrich Wilh. Zervos, Peter Jülich, Wilhelm Zervos, Michael Hahn, Johann Sievernich, Peter Köhnen u.v.a. Die erste Satzung war datiert vom 10. April 1925 und umfaßte 25 Paragraphen. Desweiteren wurde die Fahne, sowie das Fahnenschild mit übernommen.
Erster Schützenkönig wurde am Pfingstsonntag, dem 31. Mai 1925 Karl Esser sen. Die Festlichkeiten fanden im Saale Lorenz Lückerath statt, der Festplatz selbst befand sich auf einer Wiese am Helmesser Berg, welche von Degenhard Komp sen. zur Verfügung gestellt wurde.
Für die musikalische Untermalung des Schützenfestes sowie die Begleitung auf den Festzügen sorgte von Beginn an bis zum heutigen Tage das Tambourcorps „Neffeltal“ Disternich 1922 e.V..
Weitere Schützenfeste folgten, ab 1929 wurden die Festlichkeiten erstmals in einem Festzelt, ebenfalls am Hellmesser Berg, abgehalten.
Im Jahre 1932 dann der erste Rückschlag für die noch junge Bruderschaft. Das Schützenfest musste in diesem Jahr ausfallen, da die zuständigen Behörden die Genehmigungen für ein Festzelt verweigerten. Die Ursache hierfür ergab sich aus dem Einspruch eines Festwirtes, welchen dieser damit begründete, dass in Disternich gleich zwei Festsäle zur Verfügung stünden.
Aus dem gleichen Grund fand 1937 abermals kein Schützenfest statt.
Ein ähnliches Schicksal wie schon im Jahre 1919 ereilte den Verein 1939. Die nationalsozialistischen Machthaber beraubten die Bruderschaft aller kriegstauglicher Männer, da am 01. September des gleichen Jahres der II. Weltkrieg begann; die Schützenbruderschaft wurde verboten, etliche Mitglieder fielen an den Fronten oder blieben vermisst, andere kehrten erst nach langen Jahren der Kriegsgefangenschaft zurück.
Diese Katastrophe sowie die nach dem Krieg eingesetzten Befehlshaber der Alliierten in den Besatzungszonen erlaubten erst 1952 eine Wiederaufnahme des Vereinslebens. Hierbei ist besonders hervorzuheben, dass es gottlob einigen beherzten Schützenbrüdern gelungen war, die Fahne und die Königskette über den Krieg hinaus zu retten. Hierbei taten sich neben Franz Faust auch Johann Sievernich, Peter Esser sen., Christian Zervos u.a. hervor, die der Bruderschaft zu neuem Leben verhalfen.
Seither wurden wieder regelmäßig Schützenfeste abgehalten und Majestäten ermittelt. Dazu wurde ein neuer Hochstand angefertigt und an der Stelle des heutigen Kindergartens auf der Bergstraße errichtet.
Das erste Schützenfest nach dem Krieg fand dann zum Pfingstfest im Jahr 1953 statt. Die erste Königsplakette wurde vom Präses der Bruderschaft, Herrn Pfarrer Peter Ortmanns gestiftet. Die Königswürde erringt das Bruderschaftsmitglied Anton Ohlenhardt zum wiederholten Male nach 1939, dem letzten Fest vor dem Krieg.
1956 erfolgte die Einweihung des umgesetzten Kriegerdenkmales, welches sich vorher unmittelbar am Zugang der Kirche befand. Die darauf befindlichen Gedenktafeln wurden vom Steinmetzmeister Peter Langhammer sen. aus Zülpich den Einwohnern von Disternich gestiftet, und befanden sich zuvor in der Kirche.
1957 wurde, nicht zuletzt aufgrund regen Zuspruches vieler männlicher Jugendlicher in Disternich eine Jungschützenabteilung ins Leben gerufen. Mit deren Gründung erfolgte auch die Weihe einer eigens angefertigten Fahne durch den Präses, Herrn Pfarrer Kaspar Esser.
Bereits beim Schützenfest 1958 galt es, neben dem Schützenkönig Josef Graaff, mit Heinz Vering einen Jungschützenkönig zu inthronisieren.
1964 erfolgte eine festliche Fahnenweihe der in diesem Jahr neu restaurierten Fahne.
Auf Anregung wurden im Jahr 1969 erstmals wieder bruderschaftsinterne Schießwettbewerbe zur Ermittlung der Pokal- und Plakettensieger ausgetragen.
Am 25. Oktober 1970 beschloß die Versammlung eine neue Vereinssatzung, ursprünglich 18 Paragraphen umfaßte, und in ihrer zweiten Ergänzung von 1983 bis heute ihre Gültigkeit besitzt.
Bereits ein Jahr nach Gründung des Bezirksverbandes Düren – Ost stellte die St. Josef Schützenbruderschaft 1973 erstmals den Bezirkskönig; Michael Ohrem, damit Teilnehmer am Bundeskönigsschießen in Koblenz, wurde im gleichen Jahr von der Versammlung zum Brudermeister gewählt, und als solcher setzte er sich in bemerkenswert hohen Maße für die Vorgaben um Glaube, Sitte und Heimat in der Bruderschaft ein.
1975 entstand eine Schülerschützenabteilung, der erste Schülerprinz wurde mit Helmut Ludwig am Pfingstsonntag, dem 14. Mai 1978 ermittelt. Anzumerken sei hierbei, das es ihm gelang den Vogel mit dem ersten Schuß von der Stange zu holen. Als äußeres Zeichen wurde ihm die hierfür vom Schießmeister Josef Koch gestiftete Prinzenkette umgehangen. Erwähnenswert hierbei sei noch das blanke Entsetzen bei den übrigen Schülerschützen, machte sich doch jeder einzelne große Hoffnung auf den Titel des ersten Schülerprinzen der Bruderschaft gemacht welche jedoch jäh zunichte gemacht wurden. Auch der erste Schülerprinz musste sich von dem Schreck erst einmal erholen und wurde unter Tränen ins Festzelt begleitet.
Im gleichen Jahr wurden mit Franz Faust und Peter Esser sen. zwei Wiederbegründer der Bruderschaft für ihre Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Im Jahr 1984 fand das Schützenfest erstmals in der neu erbauten Bürgerhalle Disternich statt.
Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens der St. Josef Schützenbruderschaft war Disternich 1985 Ausrichter des Bezirksbundesfestes, an dem alle 19 Bruderschaften des Bezirksverbandes Düren – Ost teilnahmen.
1987 wurde mit Christian Zervos einem weiteren verdienten Schützenbruder die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Mit Stefan Schmitt stellte Disternich 1990 das erste Mal den Bezirksprinzen des Bezirksverbandes Düren – Ost, welcher am Bundesprinzenschießen in Krefeld teilnahm.
1991 erfolgte die Aufnahme des nun alljährlich am Fronleichnamstag stattfindenden Schießwettbewerbes unter den ehemaligen Schützenkönigen zur Ermittlung ihres „Bruderkönigs“. Da der Fronleichnamstag nach dem Schützenfest liegt, wird der Bruderkönig erst im Folgejahr zu Pfingsten inthronisiert.
Mit dem Schießmeister Josef Koch stand am 30. Mai 1991 der erste Bruderkönig fest.
Seit Mitte der 80er Jahre besuchen wir die jeweiligen Bundesfeste, seit 1994 ohne Unterbrechung mit einer stattlichen Anzahl an Mitgliedern und deren Fans.
Im Jahr 1995 wurde eine neue Schützenkette angeschafft. Die alte Trägerkette aus dem Jahr 1925 wird gemeinsam mit den alten Königsplakette in einer Vitrine sorgsam aufbewahrt.
In gemeinsamer Arbeit wurde 1998 ein neuer Hochstand hinter der Bürgerhalle errichtet.
Am 24. Januar 1999 musste die Schützenbruderschaft mit dem Dahinscheiden unseres amtierenden Schützenkönigs Martin Esser sen. einen wahrhaft herben Verlust hinnehmen.
Im Jahre 2000 veranstalteten wir zu unserem 75 jährigen Bestehen zum zweiten Male das Bezirksbundesfest des Bezirksverbandes Düren Ost.
Im Jahr 2012 wurde unser neuer Luftgewehrstand als Anbau unsere Bürgerhalle fertigestellt und mit vier Luftgewehrbahnen wird er rege benutzt.
Im Jahr 2024 wurde unser Hochstand so umgebaut dass er mit wenigen Handgriffen vom KK-Stand zum Luftgewehrstand umgebaut werden kann und somit die Schülerschützen ebenfalls dort ihren Prinzen ermitteln können.
Eine Besonderheit bei den St. Josef Schützen ist wohl die Hosenordnung, da zu unserer Uniform sowohl schwarze als auch weiße Hosen getragen werden können.
Ein Auszug aus der Ordnung für Pfingsten auf unserer Homepage:
- Samstag: Schwarz; bei Kirchgang: Weiß
- Sonntag: Weiß
- Montag am Morgen: Schwarz; bei Kranzniederlegung am Ehrenmal : Weiß
- Montag am Nachmittag: Weiß
Diese Ordnung sorgt auf jedem Schützenfest für Verwirrung und manche Mitglieder kommen dann eben mit der falschen Hose zum Appell, was dann natürlich in einer Strafe mündet.
Ein Schützenbruder ging Montagmorgen mit Absicht mit der falschen Hose (weiß) bei einem anderen vorbei sodaß er gesehen werden musste. Dann schnell nach Hause die schwarze Hose angezogen und zum Treffen gegangen. Der so reingelegte kam natürlich mit der weißen Hose an weil er den Kollegen ja gerade in weiß gesehen hatte und das für richtig hielt. Aber mit einer Runde an die Schützenbrüder konnte man diesen Fehler wieder ausbügeln.